Due Diligence für Startups: Mit diesem Wissen gelingt dir die optimale Vorbereitung!

Due Diligence Vorbereitung
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Du stehst nicht mehr in den Startlöchern, der Marathon hat bereits begonnen: Der Businessplan ist längst fertig, die vielversprechende Geschäftsidee strategisch klug ausgerichtet. Die ersten Erfolge sprechen für sich, alle Zeichen stehen auf Wachstum. Nun geht es selbstbewusst darum, neue Investoren zu gewinnen.

Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass soliden Finanzen eine Schlüsselrolle für erfolgreiche Startups zukommt. Insofern gilt es, sich nicht nur mit einem überzeugenden Businessplan als Visitenkarte optimal für potenzielle Geldgeber aufzustellen. Wer sich in die ‘Höhle der investitionsfreudigen Löwen’ begeben möchte, sollte alles mit ‘gebührender Sorgfalt’ planen. Damit sind wir bereits mitten im Thema, denn ungefähr so ließe sich Due Diligence übersetzen.

Warum Due Diligence Prüfung für Startups? Ein kurze Erklärung

Drum prüfe, wer sich bindet! Dieses bekannte Sprichwort zeigt sehr gut, worum es bei Due Diligence Prüfungen im Kern geht: Investoren, die Startups mit Equity-Beteiligungen oder Wandeldarlehen finanzieren, möchten wissen, mit welchem Unternehmen und somit auch Chancen sie es zu tun haben. Genau das soll bei einer üblichen Due Diligence Prüfung geschehen. Für deine Investoren ist dein Startup in diesem Sinne ein Produkt, das für sie möglichst viel Gewinn abwerfen sollte. Und daher führt kein Weg an einer Überprüfung inklusive Risikobewertung vorbei. Im Kern geht es dabei um eine Risikoanalyse, die im Bereich Venture Capital zum täglichen Geschäft gehört. Um es erneut mit einem bekannten Sprichwort auf den Punkt zu bringen: Die Risikoprüfung verfolgt aus Sicht der Investoren das Ziel, nicht die Katze im Sack zu kaufen.

Due Diligence: Definition und Inhalte

Due Diligence ließe sich mit Risikoüberprüfung oder gebotener Sorgfalt übersetzen. Es geht darum, die wirtschaftlichen, finanziellen, steuerlichen und auch rechtlichen Verhältnisses eines Startups einschätzen zu können. Erst wenn dein Unternehmen in allen Belangen überzeugen kann, wirst du das dringend benötigte Kapital von Investoren einsammeln können. Ohne Due Diligence wird es nicht möglich sein, die Unternehmensfinanzierung auf eine breite Basis zu stellen. Neu ist dieser Begriff übrigens nicht: Er wurde bereits 1933 in den USA im Zusammenhang mit dem Anlegerschutzrecht genutzt. Das Ziel der Due Diligence ist es letztlich, die Vertragspartner optimal abzusichern, indem alle Risiken bewertet werden.

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Formen der Due Diligence: Eine kompakte Übersicht

Zu den wichtigsten Formen der Risikoüberprüfung zählen in der Praxis die folgenden:

  1. Legal Due Diligence: Hier rücken rechtliche Aspekte in den Fokus. Ist die Gründung ordnungsgemäß erfolgt? Wie gestalten sich die Beteiligungsverhältnisse? Welche rechtlichen Zusammenhänge können problematisch werden?
  2. Financial Due Diligence: Es liegt in der Natur der Sache, dass Startups in diesem Bereich noch keine wirklich fundierten Daten anbieten können. Daher wird das Augenmerk auf einer Plausibilitätsprüfung und der Analyse der aktuellen Ertragslage liegen. Wie fallen die Umsätze aus? Wie sieht die Auftragslage aus? Wie ist der Vertrieb aufgestellt? Lässt eine möglichst schlanke Kostenstruktur Profitabilität erkennen? In diesem Kontext ist teils auch von Commercial und Tax Due Diligence die Rede, wobei die inhaltlichen Übergänge fließend sind.
  3. Technical Due Diligence: Hier geht es um dein Produkt oder deine Dienstleistung. Ist diese(s) wirklich marktreif? Welchen Nutzen stiftet es/sie? Ist ein zugkräftiges Alleinstellungsmerkmal gegeben? Im IT-Bereich wird es erfahrungsgemäß um den Stand der Technik und Wachstumspotenziale gehen. In dieser Hinsicht wollen viele Investoren sehen, ob eine Geschäftsidee skalierbar ist.

Abgesehen von diesen Hauptbereichen kann eine Due Diligence Prüfung je nach Branche und Geschäftsidee weitere Themen beinhalten. Zu nennen sind insbesondere:

  • Kulturelle und umweltbezogene Aspekte: Wie ist die Geschäftsidee im gesellschaftlich-kulturellen Kontext zu sehen?
  • Mitarbeiterbezogene Aspekte (Personal oder Management Due Diligence): Wie ist es um die Qualität der Unternehmensführung bestellt?
  • Exit Due Diligence: Gerade mit Blick auf Wagniskapital rückt der Verkauf (Exit) direkt zu Beginn in den Fokus. Potenzielle Investoren werden sehr genau prüfen, welche Möglichkeiten gegeben sind und wie sich die Gesellschafterstruktur auf den Verkauf auswirkt.

Due Diligence aus Sicht von Venture Capital Investoren

Vielleicht fragst du dich nun, warum eine solche Risikoprüfung gerade im Bereich von Venture Capital so wichtig ist? Ein erster Grund wurde gerade mit einem möglichen Verkauf angesprochen. Dessen Bedingungen müssen zur Einschätzung der Attraktivität eines Investments bekannt sein. Je nach Rechtsform unterliegen Startups keiner besonderen Publikationspflicht. Unternehmen, die gerade erst gestartet sind, können noch auf keine langjährige Erfolgsgeschichte zurückgreifen. Das zeigt eindrucksvoll, wie wichtig die Due Diligence Prüfung ist. Ohne eine eingehende und strukturierte Prüfung ist es für Investoren nicht möglich, sich ein aussagekräftiges Bild zu machen. Du solltest daher großen Wert darauf legen, dich optimal auf die Risikoprüfung vorzubereiten, womit wir auch schon beim nächsten und sehr wichtigen Punkt sind.


Due Diligence für Startups: So gelingt die perfekte Vorbereitung!

Stillstand bedeutet Rückschritt! Das gilt gerade im Bereich sehr dynamischer IT-Startups. Insofern solltest du dich der Herausforderung ‘Due Diligence’ mit Gründlichkeit und Schnelligkeit gewissenhaft stellen. Potenzielle Investoren erwarten, dass entsprechende Dokumente schnell und in einer strukturierten Qualität mit hoher Aussagekraft vorliegen. Wenn Anfragen kommen, solltest du schnell Daten professionell präsentieren können. Alles andere würde ein schlechtes Licht auf dein Startup werfen. Und die Konkurrenz könnte im Zweifelsfall entscheidende Stunden schneller sein!

Wer zu lange braucht, erweckt den Eindruck, den eigenen Laden nicht im Griff zu haben. Das gesamte Team sollte vorbereitet in den Prozess gehen. Alle notwendigen Dokumente sollten auf dem neuesten Stand in einer Dropbox o.Ä. zur Verfügung stehen. Das Wesentliche sollte bereits getan sein, BEVOR die Prüfung überhaupt beginnt. Wer unter Zeitdruck erst alles sortieren muss, ist zum Scheitern verurteilt. Diese Erfahrungen haben viele bereits in der Schule oder beim Studium machen müssen…


Die Spreu vom Weizen trennen

Du solltest dir frühzeitig überlegen, mit welchen Experten du für die Vorbereitung zusammenarbeiten möchtest. Input von außen ist ein wichtiges Instrument, damit die interne Betriebsblindheit nicht die Kontrolle übernimmt. Zu überlegen ist, welche Daten potenzielle Investoren wirklich brauchen. Was ist maximal relevant? Was steht aussagekräftig für die Potenziale und auch Profitabilität deines Startups? Je nachdem, wie die Daten einsehbar sind, ist an die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bzw. den Schutz personenbezogener Daten zu denken. Der professionelle Umgang mit Daten kann eine überzeugende Visitenkarte für deine ganzheitliche Denkweise sein.


Vorsicht: Die Firmenbewertung als Knackpunkt?

Das bekannte TV-Format ‘Die Höhle der Löwen’ zeigt eindrücklich, dass eine zu hohe Firmenbewertung oft ein Hindernis für Investoren darstellt. Im Zuge einer gründlichen Vorbereitung ist genau zu analysieren, welche Firmenbewertung sich rechtfertigen ließe (möglichst anhand konkreter Zahlen). Die Bewertung darf etwas höher ausfallen, um Investoren entgegenkommen zu können. Wer es aber zu sehr übertreibt, kommt über ein erstes Screening der Dokumente womöglich nicht hinaus.


Warum nicht einfach den Spieß umdrehen?

Ja, du bereitest dich darauf vor, Investoren zu überzeugen und sie mit ins Boot zu holen. Es steht aber nirgends geschrieben, dass es sich dabei um eine Einbahnstraße handelt. Will heißen: Auch du solltest kritische Fragen stellen und Investoren genauer unter die Lupe nehmen. Ein solches Vorgehen zeigt letztlich nur, dass du es ernst meinst und auf nachhaltigen Erfolg setzen willst. In diesem Kontext wäre es interessant zu wissen, welche Unternehmen sich im Portfolio der Investoren befinden. Wann ist das letzte Startup gescheitert? Welche eventuell namhaften Unternehmen konnte der Investor schon für sich gewinnen? Was sagen andere Gründer über den Investor?


Due Diligence Ablauf: So gestaltet sich die Prüfung

Grundsätzlich kann eine Due Diligence Prüfung mehrere Monate dauern. Es gibt keinen einheitlichen Prozess: Vom groben Screening bis hin zu einer sehr umfangreichen Analyse ist alles denkbar. Letztlich kommt es darauf an, was du mit deinem Startup schon vorweisen kannst bzw. an welchem Punkt du dich befindest.

Zu Beginn sendet der Investor für gewöhnlich eine so genannte Due Diligence Request List an das Unternehmen. Darin konkretisiert er, welche Dokumente er einsehen möchte. Grundsätzlich führt ein erstes Screening bei näherem Interesse zu einer Feinanalyse. Hier stehen dann die eingangs geschilderten Inhalte im Mittelpunkt. Abgesehen von der Prüfung von Unterlagen gehören auch teils intensive Gespräche und Besuche vor Ort (oder digital) zum Ablauf einer Due Diligence Prüfung. Am Ende der Prüfung werden die Ergebnisse in einem Bericht festgehalten. Sind Risiken für ein mögliches Investment festgestellt worden, müssen diese ausgeräumt werden. Dann ist der Weg für finale Verhandlungen frei.

Due-Diligence
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Wer führt die Due Diligence durch?

In Deutschland sind für diesen wichtigen Prozess mit Blick auf die nachhaltige Unternehmensfinanzierung vor allem Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater erfahrene Ansprechpartner. Unternehmen wie Deloitte und PwC haben sich auf diesen Bereich spezialisiert. Auch Beratungsunternehmen kommen somit in Betracht. Du solltest frühzeitig planungssichere Klarheit darüber erlangen, welche Experten dich und dein Startup beim Einsammeln von Kapital unterstützen sollen.


Due Diligence Beispiele: Was wird geprüft?

Erste Anhaltspunkte hast du weiter oben bei der Auflistung der unterschiedlichen Formen der Due Diligence bereits nachvollziehen können. Neben Informationen zu den Gründern, Umsatzzahlen, Bilanzen, der Gesellschaftsordnung können auch Sanktionslisten in den Fokus geraten. Hierbei können auch Unternehmen geprüft werden, mit denen aus Sicht der Investoren keine Zusammenarbeit erwünscht ist. In Einzelfällen kann es sein, dass Identitätsnachweise gefordert werden oder etwaige politische Verbindungen in den Fokus geraten. Bei den rechtlichen Aspekten, vor allem mit Blick auf den späteren Verkauf, wird sehr ins Detail gegangen. Hier zeigt sich, dass fundierte Expertise unerlässlich ist, um diese Risikoprüfung zu einem Erfolg werden zu lassen.

Fazit: Beispiele sind gut, in allgemeiner Form aber wenig aussagekräftig

Als unerfahrener Startup-Unternehmer liegt es nahe, nach Beispielen oder auch Vorlagen für den Prozess der Due Diligence zu suchen. Diese sollten aber allenfalls als Anhaltspunkt dienen, um sich mit den Inhalten und der grundlegenden Struktur näher zu befassen. Es ist keine gute Idee, in Vorlagen nur ein paar eigene Zahlen einfügen zu wollen. Erfahrene Investoren werden solche Versuche sehr schnell mit ihrer Erfahrung entlarven. Im schlimmsten Falle ist dann das Vertrauen zerstört und zu Verhandlungen wird es nicht mehr kommen. Wer bei diesem Prozess als Unternehmer erfolgreich Geld einsammeln möchte, muss sich eine gewisse Mühe machen. Wichtige Details, die für ein Investment in dein Startup sprechen, musst du selber liefern. Sie werden sich in keinem Muster finden lassen.

Dieser Beitrag hat dir gezeigt, worauf es beim Prozess der Due Diligence ankommt. Du solltest die zusätzliche Arbeit positiv sehen und dich ans Werk machen. Genieße dabei selbstbewusst die Zuversicht, dass sich die Arbeit für diesen notwendigen Prozess tatsächlich auszahlen kann!