Arbeit – ein ziemlich negativ geprägter Begriff, oder? Und wer geht schon wirklich gerne arbeiten? Dabei hat sich unser Berufsleben, wie wir es kennen, in den letzten 15 Jahren extrem verändert. Jedenfalls in zahlreichen Branchen – und weitere werden folgen. In diesem Artikel erkläre ich dir mein Verständnis der Work-Life-Balance und warum wir sie meist falsch verstehen. Dazu gehe ich darauf ein, warum ich in meinem Leben nie wieder „arbeiten“ möchte, aber dennoch immer mehr als genügend selbst erwirtschaftetes Einkommen zur Verfügung haben werde.

Was sagt die Work-Life-Balance denn wirklich aus?

Wer kennt sie nicht: Die so oft von Arbeitgebern zitierte und hoch gelobte “Work-Life-Balance”, die mittlerweile so gut wie jedes Unternehmen potenziellen Bewerbern verspricht.

Unter der Work-Life-Balance wird als übliche Übersetzung die Balance verstanden, die du zwischen dein Arbeits- und Privatleben bringst. Damit du also dafür sorgst, nicht zu viel zu arbeiten und dich auch um dein Privatleben wie deine Familie und deine Freunde kümmern kannst. Aber auch, dass du dir genügend Ausgleich holst, damit du wieder fit für deinen Beruf bist. Denn zu viel Arbeit macht uns krank, das wissen wir schon länger.

Aber wenn wir mal ganz ehrlich sind und es wörtlich nehmen drückt die Work-Life-Balance doch sogar die Balance zwischen Arbeit (Work) und dem Leben (Life) an sich aus, oder? Gibt es also eine Trennung zwischen Arbeit und dem Leben an sich? Findet unser Beruf abgekapselt von unserem Leben statt? Wer freut sich denn schon auf den Montag? An zwei von sieben Tagen in der Woche soll man sich erholen – um wieder Kraft zu tanken für die nächste 40-Stunden Woche. Die Fahrtzeiten zur Arbeit und Überstunden mal außenvor gelassen.

Lebenszeit – Arbeit = Privatleben ?

Das Kostbarste, was wir Menschen neben unserer Gesundheit haben, ist unsere Lebenszeit. Manch einer mag verschwenderisch damit umgehen, aber irgendwann kommt vermutlich jeder zu dem Entschluss, dass Zeit doch mit das Wichtigste im Leben ist. Denn sie ist begrenzt. Niemand von uns wird 200 Jahre alt werden.

Wie viele Tage stehen uns eigentlich zur Verfügung?

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland beträgt um die 81 Jahre. Umgerechnet sind das 29.565 Tage. Gar nicht so viel, oder? Ich bin schon über 35 und habe dementsprechend schon jede Menge von ihnen aufgebraucht (knapp 13.000) – mir stehen also im Durchschnitt noch knapp über 16.000 Tage zur Verfügung. Wow, das klingt gar nicht mehr so viel. Da sollte ich nicht verschwenderisch sein mit meiner Lebenszeit. Stattdessen werde ich dafür sorgen, dass möglichst viele Minuten, Stunden und Tage zu “Museumstagen” beitragen (in Anlehnung an John Strelecky und sein Buch „The Big Five for Life“, was ich dir sehr empfehlen kann).

Warum soll ich meine Zeit also mit etwas verschwenden, das allgemein hin als negativ eingestuft wird? 2020 gibt es in Nordrhein-Westfalen 254 Arbeitstage, ziehen wir davon mal noch 24 Urlaubstage ab, verbleiben 230 Arbeitstage. Von allen 365 Tagen im Jahr 2020 sind das also 63%.

63% aller Tage sind Arbeitstage.

Huiii. Nehmen wir mal 8 Stunden Arbeitszeit täglich als Grundlage kommen wir auf 1.840 Stunden im Jahr. Nehmen wir noch Fahrzeit und die Mittagspause dazu, investieren wir 2.200 – 2.500 Stunden im Jahr in Arbeit. Wer also 50 Jahre arbeiten geht, verbringt bis zu 125.000 Stunden mit Arbeit. In dieser Zeit könnte ich mir ca. 2.000 Mal alle Staffeln und Folgen von Game of Thrones anschauen (alle Episoden gehen insgesamt etwa 63 Stunden). Oder einfach mein Leben genießen und mich auf die schönen Dinge des Lebens fokussieren. Denn ich habe ja nur dieses eine Leben.

nie-wieder-arbeiten

Warum gehen wir also “arbeiten”?

Also noch einmal: Warum sollte ich arbeiten gehen? Ach ja, weil wir hierfür Geld bekommen, als Ausgleich für die Arbeit. Ein einfaches Tauschgeschäft. Geld für Lebenszeit. Aber ganz ehrlich: Es gibt natürlich auch weitere Benefits, vor allem wenn wir etwas nützliches machen, Menschen, Tieren oder dem Planeten etwas gutes tut. Und tolle und interessante Arbeitskollegen treten auch ins Leben, zu denen sich Freundschaften oder sogar Liebes-Beziehungen entwickeln können.

Aber kann das nicht auch anders funktionieren? Ich möchte mich nicht über meine “Arbeit” aufregen, ich möchte nicht fluchen und Montags schlecht gelaunt ins Büro fahren. Ich möchte keiner dieser Menschen sein. Das war ich auch in den letzten Jahren nie. Aber ich kenne genug Leute, denen es so geht – und du sicherlich auch. Warum also nicht einen alternativen Weg einschlagen? Genau das habe ich getan.

Was würdest du tun, wenn du 5 Millionen Euro im Lotto gewinnst?

Die Top 1 Antwort aller Menschen auf die Frage, was sie nach einem großen Lotto-Gewinn machen würden ist “Ich würde sofort meinen Job kündigen!”. Das sagt doch so viel aus, oder? Ich selbst würde nichts an meinem Job ändern. Wie sieht es bei dir aus?

Die Alternative: Warum ich nicht mehr “arbeiten” muss

Ich brauche keine Work-Life-Balance. Ich muss auch nicht auf meine Rente warten, um mein Leben richtig genießen zu können. Stattdessen bin ich mein eigener Chef und kann Projekte starten, an die ich glaube und auf die ich Lust habe. Und wenn du genau das tust, was dir wirklich Spaß macht, dann kommt dir die “Arbeit” eben nicht mehr wie Arbeit vor. Dann ist diese Tätigkeit einfach Bestandteil deines Lebens. Eine Life-Balance quasi. Ganz ohne Work.

Du glaubst, als sein eigener Boss gibt es noch viel mehr zu tun und die Arbeit wird härter im Vergleich zum Angestelltenverhältnis? Naja, in manchen Fällen mag das so sein. Und der ein oder andere erleidet als eigener Chef schnell einen Burnout. Das passiert vor allem Menschen, die sich zu viel zumuten und nicht auf ihren Körper und die innere Stimme hören. Oder wenn vielleicht gar nicht das Projekt umgesetzt wird, das der eigenen Berufung entspricht und in der die Person zu 100% aufgeht.

Natürlich setze ich Projekte um. Ich schreibe Texte wie diesen hier. Ich berate Führungskräfte, Gründer und Unternehmer. Doch nicht etwa des Geldes wegen. Ich mache es, weil es mir Spaß macht. Und genau darauf kommt es an: Wenn du eine Tätigkeit wirklich liebst, dann kommt sie dir nicht wie Arbeit vor. Dabei ist es egal, ob du angestellt oder dein eigener Chef bist. Wenn du es schaffst, deine Lebenszeit sinnvoll zu nutzen und du nicht nur des Geldes wegen arbeiten gehst und eigentlich nur darauf wartest, in Rente gehen zu können, dann hast du deine wahre (berufliche) Erfüllung gefunden.

Eine weitere Alternativ: Work-Life-Integration

Hast du schon von Work-Life-Integration statt -Balance gehört? Moderne Unternehmenskulturen, Home Office, flexible Arbeitszeiten, etc. sorgen dafür, dass du dein Arbeits- und Privatleben mehr miteinander verbinden kannst – du also dazu beitragen kannst, dass dir Arbeit nicht mehr so sehr wie Arbeit vorkommt. Gerade der Generation Y (zu der ich selbst zähle) und der nachkommenden Generation Z geht es bei Arbeit nicht mehr nur ums Geld verdienen. Sie wollen Erfüllung im Job, etwas Sinnvolles machen, möglichst stressfrei leben und flexibel arbeiten. Das hat sicherlich noch nicht jeder Arbeitgeber verstanden.

Zum Thema Work-Life-Balance werde ich bald einen eigenen Artikel schreiben, um diesen Artikel an dieser Stelle nicht zu sprengen.

Ich hoffe, ich konnte dich mit diesem Artikel inspirieren und dir einige Denkanstöße geben. Du hast nur dieses eine Leben, also mach das Beste daraus! #WhyTheFuckNot?!

Bildquellen: Titelbild @criene via Twenty20 / Bild im Beitrag @criene via Twenty20